Die politische Macht liegt nicht in der Hand von Regierungen, sondern bei Giganten wie Apple, Facebook, Amazon, Google und Microsoft und Vermögensverwaltungen wie BlackRock. Die Entwicklung, die zu der nie gekannten Machtkonzentration führte, hat mit Corona nichts zu tun.

Der Journalist und Publizist Ernst Wolff ist Gast bei Reiner Wein. Wolff beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit den Strukturen, Hintergründen und der Geschichte des Finanz- und Bankensektors. Denn wer die Geschichte kennt, kann Entwicklungen der Gegenwart besser nachvollziehen.

Weltwirtschaftskrise

Das internatnale Finanzsystem ist ein Teil der Geschichte und in der Weltwirtschaftskrise ein unübersehbares Problem. Die Finanzmärkte haben sich von der Realwirtschaft entkoppelt und blähen sich künstlich auf. Bei der Banken- und Immobilienkrise 2007/2008 deutete sich bereits der Kollaps an. Um ihn zu verhindern, wurden astronomische Summe bereitgestellt, ohne aber die Krise zu überwinden. Dann kam Corona.

Die Maßnahmen, die gegen die Corona-Pandemie ergriffen wurden und im Lockdown ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, führten nicht nur zu einer signifikanten Einschränkung des sozialen Lebens, sondern legten lokale, regionale, aber auch global ausgerichte Wirtschaftssektoren wie die Tourismusindustrie lahm.

Die neuen Giganten

Weltweit verloren Abermillionen Menschen ihre Jobs und Einkommensmöglichkeiten, unzählige kleine und mittlere Unternehmen stehen vor der Pleite. Wie soll es weitergehen?

Während die einen nicht mehr wissen, wo oben und unten ist, feiern die anderen. Die Börsenkurse steigen, die Milliardäre wurden reicher und die Konzerne noch viel mächtiger, als sie ohnehin schon gewesen sind. Das hat Gründe, die Ernst Wolff erläutert.

Die wirklich Macht liegt nicht in der Hand von Regierungen, sondern bei Giganten wie Apple, Facebook, Amazon, Google und Microsoft und Vermögensverwaltungen wie BlackRock. Die Fondsgesellschaft aus New York City verwaltet ein Vermögen von 7,4 Billionen US-Dollar. Das ist doppelt so viel wie das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik.

Die Entwicklung, die zu der nie gekannten Machtkonzentration führte, hat mit Corona nichts zu tun. Die Wurzeln sind im 19. Jahrhundert zu suchen und in den beiden Weltkriege.

Von Bretton Woods bis in die Zukunft

Noch während der Zweite Weltkrieg tobte, wurden auf der Bretton-Woods-Konferenz im Juli 1944 durch die Finanzminister und Notenbankpräsidenten von 44 Staaten feste Wechselkurse zum US-Dollar vereinbart und der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet.

Es folgte der unaufhaltsame Aufstieg der USA, aber vor allem des Kapitals zur absoluten Supermacht. Doch was kommt nach der Megamaschine?

Ernst Wolff skizziert bei Reiner Wein die Geschichte des modernen Finanz- und Bankensektors, den Zusammenhang mit Revolutionen und Kriegen in der Welt und liefert einen Ausblick auf ein mögliches Zukunftsszenario.


Über unseren Gast

Ernst Wolff Journalist und Publizist, Gast bei Reiner Wein

Ernst Wolff (Jahrgang 1950) ist Buchautor, Journalist und Publizist. Er wurde in China geboren. Seine Familie verließ das Land in Folge der unter Mao Zedong eingeleiteten chinesischen Kulturrevolution. Wolff verbrachte Teile seiner Kindheit in Deutschland und Südkorea. Später studierte er mit einem Stipendium kurzzeitig in den den USA. Die Vereinigten Staaten musste er verlassen, weil er mehrere Artikel veröffentlicht hatte, in denen er Stellung gegen den Krieg in Vietnam bezog.

Ernst Wolff ist Kritiker des globalen Finanz- und Geldsystems. 2014 veröffentlichte er im Tectum Verlag „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, 2017 erschien „Finanz-Tsunami – wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“. 2020 erscheint im Promedia Verlag „Wolff of Wall Street: Ernst Wolff erklärt das globale Finanzsystem“. Beiträge von Ernst Wolff sind u.a. erschienen bei Telepolis, Rubikon, Free21 und Sputnik Deutschland.

Wolff beschäftigt sich insbesondere mit der Rolle der Weltbank, der Federal Reserve, dem Zentralbank-System der Vereinigten Staaten, dem Bretton-Woods-System und dem IWF. Die Aufgabe des Internationalen Währungsfonds ist die Vergabe von Krediten an Länder ohne ausreichende Währungsreserven. Die Kredite werden in der Regel an massive Sparmaßnahmen gebunden, die vor allem auf die Sozialsysteme abzielen. Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise erwartet Wolff in den meisten Ländern der Europäischen Union eine Austeritätspolitik, die zu Einsparungen im Gesundheitswesen, der Bildung, einer Kürzung der Mindeslöhne und Renten führt.

 

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