Nicht erst durch Corona befinden sich die Vereinigten Staaten in einer Krise. Die Wirtschaft lahmt, das Sozialgefüge ist beschädigt, Armut breitet sich aus. Zieht sich die Weltmacht zurück? Eine Frage, die vielleicht der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser beim politischen Podcast Reiner Wein beantworten kann.

Seine Veröffentlichungen über NATO-Geheimarmeen, illegale Kriege und verdeckte Kriegsführung sorgten für Kontroversen. In seinem aktuellen Buch „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“ setzt sich Daniele Ganser mit dem Expansionsdrang der Vereinigten Staaten auseinander.

Von Jamestown bis nach Guam

Im Zentrum des Gesprächs bei „Reiner Wein“ steht der US-Imperialismus und der Weg zur absoluten Weltmacht. Der ist gesäumt von bewaffneten Konflikten und Kriegen. Die Anfänge liegen in Jamestown, der ersten Siedlung der Engländer in Nordamerika. Sie wurde 1607 auf einer Insel im James River in Virginia gegründet. Erst 1620 überquerten die Pilgerväter (Pilgrim Fathers) auf der Mayflower Atlantik und errichteten die Plymouth Colony im heutigen Massachusetts.

Großbritannien, Frankreich und Spanien sind zu dieser Zeit Rivalen. England setzt sich durch. Aber die Kolonien in Nordamerika erheben sich. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775 bis 1783), begleitet von der Unabhängigkeitserklärung (1776) und der Bildung der Konföderation (1777), endet mit der Niederlage der Briten und führt zur Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Expansion innerhalb Nordamerikas beginnt. Die Ureinwohner, in Stammesstrukturen organisiert, werden vertrieben oder umgebracht, ihr Land besiedelt. Im Krieg gegen Mexiko erzielen die Vereinigten Staaten gewaltige Landgewinne und dehnen ihr Territorium bis zum Pazifischen Ozean aus. Es folgen weitere Eroberungen. Als Folge des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 fallen die Philippinen, Guam, Kuba und Puerto Rico an die Vereinigten Staaten.

Der Aufstieg zur Supermacht

Der Weg zur Supermacht führt über Europa. Das Deutsche Reich versucht mit Gewalt seine Vormachtstellung auf dem Kontinent durchzusetzen und scheitert im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918). Die USA stehen auf der Seite der Sieger. Bereits 1939 bricht der Zweite Weltkriege aus. Er endet für Deutschland und Japan in der totalen Niederlage. US-Atombomben fallen auf Hiroshima und Nagasaki.

Die USA sind nun militärisch und wirtschaftlich die absolute Weltmacht. Die UdSSR und der Kommunismus sind die neuen Feinde. In Korea (1950 bis 1953) kommt es zum Stellvertreterkrieg und zur ersten militärischen Konfrontation mit China. Die zu diesem Zeitpunkt militärisch wie ökonomisch noch schwache Volksrepublik unterstützt Nordkorea (Demokratische Volksrepublik Korea) und zeigt den USA die Grenzen auf. US-General Douglas MacArthur, Oberbefehlshaber über die mit einem Mandat der UNO ausgestatteten internationalen Truppen, die an der Seite Südkoreas kämpfen, fordert den Einsatz von Atomwaffen.

Daniele Ganser zu den Hintergründen

Getrieben von wirtschaftlichen Interessen und dem Anspruch, die eigene Machtposition auszubauen, ziehen die USA in weitere Kriege und verdeckte Kriegseinsätze: Iran, Vietnam, Laos, Kambodscha …

Mit dem Zerfall der UdSSR ging den USA zwar der Gegenspieler verloren, doch das änderte nur kurzfristig die politische Richtung. Daniele Ganser geht auf die Hintergründe ein und versucht, den US-Imperialismus zu erklären, dessen Ende sich vielleicht abzeichnet.

Die Weltwirtschaftskrise, die auch die USA erschüttert, bringt die großen Bruchlinien in der Gesellschaft ans Tageslicht. Aber bedeutet das auch, dass sich das Imperium auf dem Rückzug befindet?


Über unseren Gast

Reiner Wein Politischer Podcast Gast Dr. Daniele Ganser (Foto: Ingo Wösner)

Daniele Ganser ist Historiker und Friedensforscher. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen zu Energie, Medien, Krieg, Frieden und Terror. Seine Forschungsschwerpunkte sind die internationale Zeitgeschichte seit 1945, verdeckte Kriegsführung und Geheimdienste, der US-Imperialismus und Geostrategie sowie Energiewende, Ressourcenkriege, Globalisierung und Menschenrechte.

Als Autor veröffentlichte er mehrere Bücher: „NATO-Geheimarmeen in Europa – Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“ (2008), „Europa im Erdölrausch – Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit“ (2012) und „Illegale Kriege – Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren: Eine Chronik von Kuba bis Syrien“ (2016). Im April 2020 erschien „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“. Weitere Informationen auf www.danieleganser.ch

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