Reiner Wein Bundespräsidentenwahl Österreich Gast Heini Staudinger (Foto: www.reiner-wein.org)

Heini Staudinger: Gutes Leben statt Reförmchen

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Lesezeit:4 Minute, 29 Sekunde

Heini Staudinger gehört in Österreich zum großen Feld der Kandidaten zur Bundespräsidentschaftswahl am 9. Oktober 2022. Der Unternehmer aus dem Waldviertel ist Gast bei Reiner Wein. Er skizziert im Gespräch mit Moderator Michael Winkler seine Beweggründe, bei der Wahl anzutreten. Auf seiner Webseite www.heini-praesident.at ruft er zur Unterstützung seiner Kandidatur auf.

Bei der Bewegung „Zukunft JETZT“ (www.zukunft-jetzt.at), bei der Heini Staudinger mitwirkt, reifte im Februar 2022 der Gedanke, einen Kandidaten für die Wahl im Herbst aufzustellen. Für Staudinger ist klar, dass es zu spät ist für Sonntagsreden und kleine Reförmchen: „Millionen Österreicher spüren, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können.“

Heini Staudinger: Gutes Leben statt Reförmchen (Quelle: Idealism Previals/YouTube)

Der sogenannte Welterschöpfungstag war bereits am 28. Juli; und für Österreich sogar schon am 6. April 2022. Das heißt: Wenn die ganze Welt so leben wollte wie die Österreicher, bräuchte es die Ressourcen von vier Erden, sagt Staudinger. „Hinzu kommt, dass uns dieses Leben noch nicht einmal glücklich macht: Depressionen nehmen weltweit zu. Konsumwahn kann das gute Leben nicht ersetzen. Genügsamkeit muss die Gier nach mehr endlich wieder ersetzen.“

Am Anfang stand Tansania

Staudinger studierte Medizin, schloss das Studium aber nicht ab. Nach einer schicksalhaften Begegnung mit einem Freund, begann er eine Firma aufzubauen, die in Österreich Schuhe herstellt. Anfänglich importierte Heini Staudinger aber Schuhe aus Dänemark, die er mit dem ersten „Crowdfunding“ über seinen Freundeskreis finanzierte.

1972 fuhr Staudinger mit einem Freund – entgegen den Wünschen seiner Mutter – per Moped nach Afrika. Die 6-monatige Reise führte sie zu einem bekannten Mediziner nach Tansania, der dort ein Spital aufgebaut hatte. Dabei lernte Staudinger, dass es im Leben „nichts Wichtigeres gibt, als das Leben selbst“ – und dass das Leben auch ohne Terminwahn funktioniert.

Diese Erkenntnis könne man allerdings nur außerhalb der westlichen Welt gewinnen, denn bei uns wird gelehrt, dass das Wichtigste im Leben das Geld sei. Die Logik der Natur und des Herzens wäre nur zweitrangig. Unsere Gesellschaft, meint Staudinger, belohnt oft das Falsche: Börsenspekulanten, die Agrar-Industrie, Monokulturen (deren Zerstörungskraft man aktuell auch im Waldviertel in Gestalt des Borkenkäferbefalls sieht) und so weiter.

Das Schicksal in die eigenen Hände nehmen

Die vielfältige Zerstörung der Umwelt müsste endlich zum großen gesellschaftlichen Thema gemacht werden – und es müsse im Diskurs mit den Menschen klar erarbeitet werden, welche Schritte notwendig sind, um diese Vorgehensweise zu stoppen. Und alle – auch die Konzerne – müssten sich an getroffene Vereinbarungen halten. Das wäre eine demokratische Vorgehensweise, sagt Heini Staudinger mit Blick auf die politisch Verantwortlichen.

Das Postulat, dass Märkte alles regeln würden und man nur nicht in diese eingreifen dürfe, ist für Staudinger eine der großen Tragödien unserer Gesellschaft. Die Früchte dieser Marktregelung sind unter anderem die Zerstörung des Kleingewerbes zum Vorteil einiger weniger, deren Dividenden sprießen. Während man die Konzerne steuerlich entlastet, wurden bei den Klein- und Mittelbetrieben die Daumenschrauben immer weiter angezogen. Die Politik stehe viel zu oft aufseiten der Konzerne und vergesse die kleinen Unternehmer, sagt Staudinger.

Gunther Sosna, Gastgeber, Reiner Wein Politischer Podcast aus Wien

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Herzlichen Dank, Ihr Gunther Sosna

Dem Waldviertler Schuhproduzenten ist klar, dass der Bundespräsident nicht die Gesetze beschließt; aber er kann sehr wohl die Stimmung beeinflussen, der Mehrheit der Bürger eine Stimme geben und ihnen vermitteln, dass sie selbst etwas an ihrem Schicksal ändern können.

Bürokratie, Fleisch und Brecht

Die bürokratische Hürde, die jeder Bundespräsidentschaftskandidat überwinden muss, nämlich 6000 Unterschriften zu sammeln, diene wohl auch dazu, die Zahl der antretenden Kandidaten gering zu halten. Außerdem muss jeder Unterstützer zu dem Gemeindeamt gehen, wo er seine Hauptmeldeadresse hat, dort seine Unterstützungserklärung unterschreiben, was von einem anwesenden Beamten beglaubigt wird, und danach die Unterstützungserklärung noch an den jeweiligen Kandidaten (zumeist per Post) schicken – und das im Zeitalter der Digitalisierung.

Neben seinem Wahlaufruf spricht Heini Staudinger über die Auswirkungen der Globalisierung, die Abgabenbelastung von Arbeit, die Fluchtursachen von Migranten, den Fleischkonsum im globalen Norden, die Zerstörung des Kongo durch internationale Bergbaufirmen, über Aaron Antonovksy, den Vater der Salutogenese, und er zitiert in bewegender Art und Weise Brecht und Rilke.

Über unseren Gast

Reiner Wein Gast Heini Staudinger (Foto: ww.reiner-wein.org)

Heinrich „Heini“ Staudinger (Jahrgang 1953) wuchs in Schwanenstadt in Oberösterreich auf. Er studierte verschiedene Fachbereiche, wurde dann aber durch einen Zufall Unternehmer. 1980 gründete Heini Staudinger ein Schuhgeschäft in Wien und begann mit dem Verkauf von Schuhen der dänischen Marke Earth Shoe. Aus dem Geschäft entwickelte sich das Unternehmen GEA (später GEA / Waldviertler) und es entstanden weitere Filialen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

1984 wurde in Schrems im Waldviertel eine selbstverwaltete Schuhfabrik Waldviertler Schuhwerkstatt gegründet, die die Waldviertler-Schuhe und andere Produkte produziert und entwickelt. Heini Staudinger wurde Anfang der 1990er-Jahre Miteigentümer und ist heute Mehrheitseigentümer. Im GEA Verlag erscheint seit 2004 die Zeitschrift brennstoff, 2005 initiierte Staudinger die alternative Währung Waldviertler.

2022 rief Staudinger auf seiner Webseite www.heini-praesident.at zur Unterstützung seiner Kandidatur zur österreichischen Bundespräsidentschaftswahl auf. Staudinger schreibt:

„So viele Menschen spüren es deutlich: Wir wollen so nicht weitermachen! Wir wollen weniger Zwang, weniger Angst – mehr Gerechtigkeit, mehr Miteinander, mehr Freiheit, mehr Frieden. Diese Stimmung ist weit verbreitet, doch sie findet in der Politik zwar viele Worte, aber zu wenig Taten. Ich möchte diesen Menschen eine Stimme geben und habe mich deshalb entschieden, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.“

Foto und Video: Reiner Wein und Idealism Previals

Über den Autor

Redaktion

Redaktion von "Reiner Wein", dem politischen Podcast aus Wien.
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